Kinorausch.

31. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie in „A good year“ wollte ich schon immer mal einen Stummfilm mit Orchesterbegleitung sehen. Es fehlte zwar „Le Coin Perdu“, aber es war auch so zauberhaft. Gezeigt wurde „The Gold Rush“ mit Charlie Chaplin von 1925. Das wir über 80 Jahre nach der Entstehung noch so über einen Film lachen können, hätte ich nicht gedacht. Manchmal blieb einem das Lachen jedoch im Halse stecken. So bei der berühmten Szene, wo Charlie seinen Lederschuh kocht und er die Schuhbänder wie Spaghetti aufwickelt und die Schuhnägel als Hühnerknöchel abnagt. Chicken or no chicken, his friend looks appetizing. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde – sag ich schliesslich auch immer.

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Also sprach Zarathustra.

30. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Letzte Woche hatte der Sommer beschlossen, nochmals vorbeizuschauen. Schön schrecklich. Ich konnte nicht denken, nicht reden, nicht schreiben – nur vegetieren. Also Koffer packen, Buch schnappen, ins Auto springen und ab ins Engadin. Wo schon Dichter, Denker und die High Society die Sommerfrische verbrachten. Kein Wunder ist Nietzsche hier ab 1881 jeden Sommer gewesen und kam ins Schwärmen über die Schönheit der Natur. Sommerfrische heisst eigentlich nichts anderes als Flucht. Flucht vor der Stadt, wo die Hitze steht und der Gestank herrscht. Frische Luft auf 2000 Metern – durchatmen. Sternenhimmel satt, der einen ohnmächtig macht. Da steht der grosse Wagen direkt vor der Tür. Oder um es mit Nietzsche zu sagen: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.

Nietzsche Haus

Blick von Sils

Ob blond, ob braun.

24. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ist eigentlich nicht egal. Nach 8 Monaten und 3 Haarfarben bin ich jetzt wieder am Ausgangspunkt. „Back to the roots“ sozusagen. Kupferrot, Semmelblond und jetzt wieder ein Schokobraun. Nun bin ich wieder fast die Alte. Ist das gut oder schlecht? Irgendwie war ich nicht ich selbst mit blond, so unbeständig. Freunde sind auf der Strasse oder im Restaurant an mir vorbeigelaufen, haben mich nicht erkannt. Ich selbst mich auch nicht, wenn ich in den Spiegel geschaut habe. Nun wieder Schokolade, hoffentlich ein gutes Omen. Blondinen bevorzugt? Wohl kaum; ich fand Jane Russell schon immer besser als Marilyn.

The Big Freeze.

22. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

So heisst das aus der Antarktis kommende Tiefdruckgebiet, welches gerade über Neuseeland schneit und stürmt wie seit 40 Jahren nicht mehr. Da wäre ich doch gerne „Happy Feet“- ich glaub aber, der ist schon auf der Rückreise. Ich beobachte dafür die Nachbarn am Brutzelwochenende. Grillieren ist ja irgendwie für Jeden, oder? Sie kann nicht kochen, er kann nicht grillen, aber die Kinder wollen eben ernährt werden. Wahre Liebe kribbelt nicht, sie brutzelt. Gerüche sind momentan sehr negativ oder sehr positiv. Kommt darauf an, wie man’s nimmt. Bei 30 Grad dringt der säuerliche Geruch des Abfalls aus den blühenden Vorgärten oder halt das Filetstück vom Grill, gut durchgebraten. Wärme überall. Stehende Luft. Da pfeife ich „Summertime“ von George Gershwin, musste ich schliesslich immer in der Schule singen.

Source: Keystone

Gut gelaunt geradelt.

18. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Während mein Mann mit 1700 anderen Verwirrten das Alpenbrevet radelte und dabei nicht einmal schwitzte, organisierte ich die Versorgung. Nach 131 km und 3975 Höhenmetern über Stock und Stein oder besser Grimsel, Furka und Susten, fuhr er lächelnd ins Ziel. Und überlegt sich schon, ob er nächstes Jahr die längere Variante fahren soll. Das Wetter hielt, die Frisur auch. Meine natürlich, was nicht so einfach war, da ich wie bei der Tour de Suisse aus dem Dachfenster des Autos hang und Fotos machte. Voller Einsatz eben. Grad noch aus München zurück, wo wir Haxe light hatten. Sprich, keine Haxe – denn wer genehmigt sich schon 860 Kalorien bei 29 Grad im Schatten? Dafür aber interessante Gespräche über Sauerteig mit der Sales Manager von Levi’s. Werde wohl selbst bald einen Gefrässigen ansetzen.

Alles kaputt.

8. August 2011 § Ein Kommentar

Eismaschine ohne Kühlung, Computer ohne Festplatte und Kitchenaid mit irgendeinem Defekt, den ich noch nicht gefunden habe. Es ist zum Verzweifeln. Nennt man auch eine tolle Woche. Da der Computer heutzutage wichtiger als die Waschmaschine ist, musste natürlich sofort ein neuer her. Eis kann man auch ohne Maschine machen und Kuchen bäckt sich ebenso mit dem guten, alten Rührhaken. Aber eben der Computer, das Ding, dass uns abhängig macht und beinahe unser ganzes Leben enthält. Musik weg, Fotos im Nirwana, Daten futsch. Da bin ich vor Wut kreuz und quer, auf und durchs Hörnli gerannt und mich gefreut, dass ich am Leben bin. Scheiss auf den Computer. Denn am Ende des Weges, blüht der Garten der Ewigkeit.

 

Sommer vorm Balkon.

2. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

30 Grad überleben und sich nicht darüber ärgern. Geht irgendwie. Ich halte die Luft an, wenn ich rausgehe, schleiche im Schneckentempo und versuche nicht daran zu denken, dass es viel zu warm für mich ist. Irgendwie hab ich ein Halbzeit-Gefühl, als ob der 1. August ein Stichtag wäre. Viele Leute verbringen ihr Leben damit, Projekte zu realisieren, die nicht ihre sind, sondern Projekte anderer Menschen. Ich bin immer noch stolz auf mich und mein Auszeitprojekt, obwohl nicht jeder Tag eitel Sonnenschein ist. Doch heute geniesse ich und sitze mit meinem Mann beim Lunch im Parterre, helfe ihm bei der Schaufensterdeko und stelle mich mit 40 anderen Nationen in die Schlange auf der Post am Claraplatz. Ferienkinder verkaufen Getränke, um für Afrika Geld zu sammeln und Ferienväter fahren mit Velo-Kinderanhängern, die wie Transportkisten für Haustiere aussehen. Nichtstun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt (Oscar Wilde).

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für August, 2011 auf die kantine an.